Mr. Gwyn

Intime Distanz

Alessandro Baricco: Mr. Gwyn, 2016
Hoffmann und Campe, Hamburg
978-3-455-40561-3
ca. 19,90 €

Als Jasper Gwyn eine Liste mit 52 Dingen, die er in diesem Leben nicht mehr tun möchte, im Guardian veröffentlicht, ist ihm die Aufmerksamkeit der Leser und Leserinnen sicher. Er, der berühmte Schriftsteller, hat als letzten seiner 52 Punkte aufgeführt: nie mehr Bücher schreiben. Wohlweislich ist er vor Erscheinen unbekannt verreist. Sein literarischer Agent nimmt seine Ankündigung zunächst nicht ernst, da er sie für eine der üblichen Schrullen eines Autors betrachtet. Aber Jasper Gwyn ist es ernst. Er schreibt auch nach der Rückkehr aus seinem Refugium keine Zeile mehr, merkt jedoch bald, dass er eine neue Aufgabe sucht. Ein Galeriebesuch und das Gespräch mit einer alten Dame bringen ihn auf die Idee, Porträts zu schreiben. Nein, nicht einfach eine Beschreibung des Äußeren einer Person und vielleicht einiger angenommener Eigenheiten, eine Erfassung der Persönlichkeit schwebt ihm vor, um den Porträtierten sich selber wieder zurück zu geben. Er sucht sich den passenden Raum und gestaltet ihn im Detail mit Licht, Möbeln, Musik, um seiner neuen Aufgabe einen würdigen Rahmen zu geben. Wird er erfolgreich sein mit seinem Experiment, fragt nicht nur er sich.

Die im Folgenden entstehenden Porträts und ihr Entstehungsprozess sind eine berührende und nachdenkliche Reise zu ihm und den Porträtierten. Faszinierend ohne voyeuristisch zu sein, belebend und geistig anregend bei der Lektüre.

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