Rez_Westover

Tara Westover: Befreit

Ein langer Weg

Tara Westover ist Tochter einer Mormonenfamilie aus Idaho. Sie wächst naturnah und verbunden mit der monumentalen Landschaft hinter ihrem Elternhaus auf. Jenseits der Natur ist ihr Alltag geprägt von der Arbeit auf dem Schrottplatz im Unternehmen ihres Vaters und der Begleitung ihrer Mutter, die Hausgeburten in der mormonischen Gemeinschaft durchführt. Sie und ihre Geschwister besuchen keine staatliche Schule, haben keine Geburtsurkunden und befolgen die Regeln des gläubigen und vehementen Vaters. Ein Bruder entfernt sich von der engen Kontrolle der Familie und ihrem Glauben, holt einen Schulabschluss nach und studiert. Tara unternimmt erste zaghafte Schritte nach draußen und tritt mit einer Laienspielgruppe auf, was ihren Vater sowohl mit Stolz erfüllt aber auch erzürnt, wenn die Grenzen der Schicklichkeit ihm nicht gewahrt zu sein scheinen. Dieser Spannungsbogen von der Suche nach Eigenem und dem Wunsch in der Familie geliebt zu werden und dazu zu gehören ist bestimmend für den langen Weg, den Tara einschlägt. Bildung ist ihr Weg in die Welt, aber auch weg von ihrer Familie. Sie schafft nicht nur den Schulabschluss, sondern schließt letztlich ihr Studium nach vielen inneren Kämpfen und Verlusten mit einer erfolgreichen Promotion ab. Absolut lesenswert und mitreißend geschrieben, trotz der harten und gewalttätigen Szenen im Alltag ihrer Familie.

Tara Westover: Befreit, Kiepenheuer& Witsch, Köln 2019; ca. 12,- €

as